Alpenüberquerung

Um etwas Abwechslung in unsere Reise zu bringen, verliessen wir die Küste auf der Höhe von Bega, durch den Wadbilliga Nationalpark, in Richtung Great Dividing Ranges und Australian Alps. Auf dem Weg dorthin gibt es ausser riesige, karge Weideflächen für Kühe und Schafe auch ein paar kleine, verschlafene Nester mit freundlichen Einwohnern und schönen Übernachtungsmöglichkeiten, meist ruhig gelegen neben einem kleinen Fluss. Aber hauptsächlich gold-braune Weideflächen.

Die letzten grösseren Ortschaften vor den Alpen mit mehr als einer Strasse sind Cooma und Jindabyne, beides typische Wintersportorte wie wir sie aus der Schweiz auch kennen. Total touristisch, im Sommer verschlafen und jedes zweite Geschäft vermietet Skis. In einem Outdoor-Shop holten wir uns vom netten Verkäufer ein paar Informationen sowie eine Karte des Nationalparks, füllten unseren Dieseltank auf und fuhren zum von ihm empfohlenen Campingplatz mitten im Nirgendwo. War schön ruhig, wohl weils im Nirgendwo war und nichts zu tun gab. Dafür stand am nächen Tag ein wortwörticher Höhepunkt auf dem Programm. Silvia und ich kletterten auf den höchsten Berg Australiens, den Mt. Kosciuszko (“Kosi-osko”). Gut ausgerüstet mit Wanderschuhen, Wasser und Nahrung brachen wir auf, den als “for experienced only” beschriebenen, beschwerlichen Aufstieg zum höchsten Gipfel Australiens vor uns. Auf der gut 10km langen Wanderung mussten wir sagenhafte 400 Höhenmeter hinter uns bringen (Silvias Schulweg war steiler) und erreichten am Mittag den Gupf, wo ein paar Ozzis am Handy hingen und vor der Verwandtschaft prahlten. Nach dem Zmittag gesellten sich noch eine ganze Schulklasse und ein Flip-Flop-bewehrter Asiate dazu. Vor unserem Abstieg verteilten wir noch das restliche Wasser und ein paar Brotscheiben mit Käse an ein älteres Päärchen, das den Gipfel spontan und ohne Proviant erklommen hatte. Tick, been there, etwas weniger auf unserer Liste (und schön war es ja auch).

Kleines Ratespiel am Rande: Welches ist das einzige Auto, das sich in Australien selbst auf dem höchsten Berg heimisch fühlt? (Für die Lösung Bildschirm umdrehen)

Unsere Route führte uns anschliessend über den Barry Way südlich hinuntern zur Küste Victorias. In unserem 4×4 Buch wurde die Route als very narrow and windy (kurvig, nicht windig) beschrieben. Kurvig wars, teilweise auch etwas eng, aber trotzdem kaum anspruchsvoll zu fahren. Wir hätten gerne etwas mehr Zeit hier verbracht mit Buschwanderungen und Baden im Snowy River, aber es war meist bewölkt und regnerisch und als wir endlich am Snowy ankamen zog ein Gewitter auf. Für ein paar Fotos reichte es noch, aber zum Schwimmen wars uns zu unsicher. Das Wasser war übrigens richtig angenehm warm und gar nicht snowy, bei schönem Wetter hätten wir in Halfway Flat, so heisst einer der Campings, bestimmt den Rest des Tages und die anschliessende Nacht verbracht. So aber fuhren wir in einem Stück weiter bis fast an die Küste hinunter. Am Abend noch unser erster eigene Roadkill: eine richtig schöne, ca. 20 cm grosse Eidechse :( R.I.P Godzilla

In Lakes Entrence, also dort wo die Flüsse der Alpen in das Meer münden, verbrachten wir ein paar Stunden am Meer und gönnten uns fangfrische Prawns direkt vom Fischerboot. Lecker! Die nächsten paar Tage blieben wir in der Regionen (d.h. wir fuhren ca. 100km pro Tag), besuchten einen Gottesdienst in Sale (yep, der Ort heisst so und ist nicht zu verkaufen) und lernten einen etwas kauzigen Ozzi kennen, bei dem wir eine Nacht verbrachten.

Der nächste Punkt auf unserer Karte war dann Melbourne. Es war schön, zur Abwechslung wieder einmal in einer grossen Stadt zu sein. Wir verbrachten drei total touristische Tage in Melbourne mit Spaziergängen, Museumsbesuchen (hier gibt es ein echtes Blauwalskelett, beeindruckend!) und Sight-Seeing.

Diese Woche wartet ein weiteres Highlight auf uns. Wer sich etwas mit der Geografie Australiens auskennt, kann sicher schon erraten was wir vor haben.
Bis zum nächsten mal, Tim und Silvia

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